Leseprobe: Lavendel & Zitronengras – Eine literarische Prise Kräuter & Gewürze
April 21st, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Es wird gekocht, geliebt, gelitten und gelacht. Kräuter und Gewürze verfeinern unsere Nahrung. Sie heilen, vergiften, verzaubern und inspirieren. Ob Gourmet, Hexe, Pflanzenfreund oder Duftliebhaber – dieses Geschenkbuch kann verführen. Aromatischen Geschichten, würzige Gedichte und gezeichnete Kräutersträuße machen dieses Buch zu einem Geschenk für jeden Genießer.
Probe lesen:
Liebeserklärung – Reinhart Hummel
Linda hasste Baustellen, aber sie liebte Spaghetti und Überraschungen und ihren Garten. Mehr als mich, dachte Christoph und nahm sich vor, für eine Überraschung zu sorgen, die sich gewaschen hatte – die geilste und steilste überhaupt. Sie würde ihn bewundern dafür, wenn sie aus dem Bildungsurlaub zurückkäme, und anbeten und lieben, da war er sicher und freute sich darauf wie irre. Er bestellte Granit, weil er ein Typ der Tat war, nicht des Zögerns und Studierens. Und dazu Sand und Schutt und Erde, die schlechteste und magerste, die zu bekommen war, und einen Lastwagen voller Kräuter. Alles wurde geliefert und abgekippt vor dem Haus, das romantisch und windschief und winzig am Abhang klebte und fast verschüttet wurde von der Menge des Materials. Die Nachbarn fragten Christoph, ob er etwa ein neues Haus bauen und den Garten frisch anlegen wolle oder gar eine eigene Gärtnerei aufziehen, solange seine Freundin weg sei. Als der Dieselgestank der Transporter endlich abzog, waberten Wolken vollgesogen mit Molekülen von Currykraut und Rosmarin, Liebstöckel, Oregano und Estragon über und rund um das Haus und die Liegenschaften daneben.
Was die Leute meinten, ließ ihn kalt, weil er in sich nur die großen Augen Lindas sah, ihre Sprachlosigkeit genoss, ihre Umarmung spürte, zuerst die stürmische, später die sinnliche, und alles, was sich sonst noch daraus ergab, vielleicht sogar inmitten seiner Überraschung. Er dachte daran, wie sie vor Monaten auf der Treppe gesessen hatten mit Kaffeetassen auf den Knien und Linda vor sich hingeplappert hatte, wie schön es wäre, selbst eine zu haben. »Ist das was zum Essen ?«, hatte er gefragt. »Quatsch. Wie kommst du denn darauf ?« Sie war entrüstet gewesen über seine Unkenntnis. »Na, so was wie Mohnschnecken, Quarkschnecken, Hefeschnecken eben. Wie die drüben in der Bäckerei halt.« Linda hatte gelacht und ihm die Kräuterschnecke erklärt, und sie war wieder aus seinem Denken entschwunden – bis er neulich in einen Kreisverkehr fuhr. [zum Shop]